Unsere digitale Suchtberatung „Digi-Sucht“ hat sich innerhalb kurzer Zeit erfolgreich etabliert. 2025 nutzten 87 Ratsuchende aus dem Burgenlandkreis und Mansfeld-Südharz das niedrigschwellige Angebot – daraus entstanden 384 Kontakte und 47 Beratungsprozesse.
Ob per Nachricht, Telefon, Videocall, Chatbot oder vor Ort: Digi-Sucht erreicht Menschen, die sonst oft schwer Zugang zu Beratung finden – anonym, flexibel und unterstützend.
Diakonie: Digi-Sucht erfolgreich
Träger sieht positiv auf Plattform. VON CONSTANZE MATTHES
NAUMBURG. Ein positives Fazit zieht die Diakonie NaumburgZeitz zum ersten vollen Jahr der digitalen Suchtberatung, kurz „Digi-Sucht“, die Mitte 2024 gestartet war. „Das erste halbe Jahr galt, es Klinken zu putzen und das Angebot zu erklären“, so Suchtberaterin Jennifer Klopp. „Im vergangenen Jahr ging es richtig los. Wir erreichen damit oftmals Betroffene, die wir sonst nicht erreichen würden, die runterfallen oder zeitnah keinen Termin erhalten oder die eingeschränkt mobil sind. Auch die Anonymität ist ein Grund, weshalb sich Menschen über die Plattform melden.“
Chatbot im Einsatz
2025 registrierten sich laut Sachbericht 87 Ratsuchende aus dem Burgenlandkreis und dem Kreis Mansfeld-Südharz. Daraus entstanden 384 Klientenkontakte und 47 Beratungsprozesse. Sieben Klienten wurden in eine stationäre Entgiftung, sieben weitere in eine stationäre medizinische Rehabilitation vermittelt. Zwei Klienten befinden sich in der Nachsorge. Die Kontakte erfolgen mittels Nachrichten, Telefonaten, Videocalls, Vor-Ort-Terminen oder eines Chatbots, dessen Nutzung ohne eine Registrierung möglich ist und mit wissenschaftlichen Informationen „gefüttert“ ist. Das Gros der Klienten war männlich. Die Ratsuchenden waren zwischen 20 und 59 Jahre alt, wobei laut Jennifer Klopp auch ältere Personen das niedrigschwellige Angebot genutzt haben. Auch Angehörige, die von der Sucht eines Partners oder Familienmitglieds besonders betroffen sind, nutzen „Digi-Sucht“. Die Droge Nummer eins ist der Alkohol, gefolgt von Cannabis und Amphetaminen. Doch die Bandbreite der Drogen ist groß, reicht von Beruhigungsund Schmerzmitteln über Glücksspiel bis hin zu Problemen mit dem Essverhalten. Dabei werden Fälle auch an Partnern des Beratungsnetzwerks weitergereicht. „Aktuell fallen uns vermehrt Fälle auf von Frauen mit psychischen Problemen wie Angststörungen“, betont Klopp.
Start als Modellprojekt
2022 war die digitale Suchtberatung als bundesweites Modellprojekt gestartet und wurde 2024 im Burgenlandkreis durch die Diakonie Naumburg-Zeitz eingeführt. Die Plattform war von der Berliner Firma „delphi“ entwickelt worden. An dem Modellbetrieb und der Onlineberatung beteiligen sich aktuell mehr als 500 Suchtberatungsstellen mit mehr als 1.300 Beraterinnen und Beratern aus 13 Bundesländern. In der Anfangsphase reichte das Bundesministerium für Gesundheit Mittel aus, nunmehr liegt die Finanzierung bei den beteiligten Ländern. Das Projekt ist vorerst bis Jahresende gesichert. Im Gesundheitsausschuss des Kreistages war die Weiterfinanzierung zuletzt Thema. Der Burgenlandkreis befinde sich in Gesprächen, hieß es kürzlich aus der Kreisverwaltung. Aktuell gebe es keine konkrete Aussicht, so Jennifer Klopp. „Wir haben sehr viel Arbeit hineingesteckt.“
Die Plattform „Digi-Sucht“ ist erreichbar online unter der Adresse: suchtberatung.digital
