MZ-Artikel ” Begehrte Betreuungsplätze” vom 01.10.2025

MZ-Artikel ” Begehrte Betreuungsplätze” vom 01.10.2025

von Meike Ruppe-Schmidt

TEUCHERN/MZ. Das Gemüse ist schon fertig geschnitten. Jetzt hackt Waltraud Kaul frische Kräuter für den Salat. „Ich brauche einfach die Betätigung“ sagt die 79-Jährige und lächelt. Seit fast zwei Jahren wohnt sie in dem Pflegeheim St. Georg in Teuchern. Sie ist eine von 40 Bewohnern, die in der Diakonie-Einrichtung betreut werden. Und damit habe sie großes Glück. Denn: „Unsere Kapazitäten sind voll ausgelastet, es gibt Wartelisten für Plätze“, sagt Doreen Röhr. Sie leitet die Einrichtung mit 32 Mitarbeitern seit 2015. Und sie war als Mitarbeiterin dabei, als das Sankt-Georg-Stift in Teuchern vor 20 Jahren offiziell eröffnet wurde. Der Bedarf an stationären Pflegeplätzen war in Teuchern damals sehr groß“, erinnert sich Röhr anlässlich des Jubiläums der Einrichtung.
Denn das ehemalige Pflegeheim aus DDR-Zeiten, das sich in der Teucherner Gartenstraße befunden hatte, war Anfang der 90er- Jahre geschlossen worden. Bereits damals sei es nicht einfach gewesen, einen Investor sowie die notwendigen Fördermittel für die Errichtung eines neuen Heims zu finden. Im Jahr 2000 war die Diakonie Naumburg-Zeitz schließlich bereit zu diesem Schritt. Man fand in der Straße des Friedens ein geeignetes Grundstück, das von einem privaten Eigentümer erworben wurde. Mit Hilfe von Fördermitteln der „Aktion Mensch“ wurde der Neubau schließlich realisiert. „Man hat sich damals bewusst für den zentralen Standort in der Innenstadt entschieden“, erklärt Robin Knauf, Geschäftsführer der Diakonie Naumburg-Zeitz.
Denn so hätten die Bewohner, die fit genug sind, die Gelegenheit, kleine Einkäufe zu tätigen oder das Eiscafé zu besuchen und vielleicht auch den einen oder anderen Bekannten in der Stadt zu treffen. „Gleichzeitig haben wir auf der hinteren Hausseite ein sehr grünes Umfeld zur Erholung.“ Nach dem ersten Spatenstich 2003 war das Haus Ende 2004 einzugsbereit und wurde 2005 offiziell eingeweiht. „Von Anfang an haben wir auf ein damals noch vollkommen neues Konzept gesetzt“, erklärt Heimleiterin Röhr. Dabei handelt es sich um das Leitbild „Pflegeheim der vierten Generation“. Das heißt: „Bei uns leben die Bewohner in vier Hausgemeinschaften mit je zehn Personen“, so Röhr. „Alle haben ein eigenes eingerichtetes Zimmer mit Dusche und WC, so dass jeder ein Leben nach seinen Bedürfnissen gestalten kann. “ Darüber hinaus verfügt aber jedes Haus über eine gemeinsame Wohnküche. Dort treffen sich die Bewohner, spielen Karten, können sich austauschen.
Besonders wichtig: „Sie bereiten auch zusammen mit den zuständigen Betreuerinnen gemeinsam ihre Mahlzeiten zu“, so Röhr. „Es gibt einen Speiseplan, der von den Bewohnern selbst bestimmt wird. Und bei der Zubereitung der Speisen, dem Tischdecken, Abräumen und Aufräumen hilft jeder mit, so wie es seine Fähigkeiten zulassen. Dabei helfen sich die Senioren auch untereinander.“ Damit wolle man die Senioren so lange es geht aktiv in den Alltag einbinden. Um das Konzept umzusetzen, setzt man in der Einrichtung auf einen festen Mitarbeiterstamm. „Wir arbeiten ausschließlich mit eigenen Angestellten, haben hier eine geringe Fluktuation.“ Um rare Fachkräfte zu binden, setze man neben einem fairen Tarifvertrag auf offene Kommunikation, gewisse Mitspracherechte sowie Entwicklungsmöglichkeiten.
Den Bedarf an stationären Pflegeplätzen in der Einheitsgemeinde sieht Röhr als steigend an. Auch die Stadt hat dieses Problem erkannt und in ihrem neuen Flächennutzungsplan ein Sondergebiet Pflege in der Osterfelder Straße ausgewiesen. Doch es fehlt an Investoren für die Realisierung eines zweiten Pflegeheims. Der Grund: „Die Baupreise sind zu hoch und es fehlen entsprechende Förderprogramme“, erklärt Diakonie-Chef Knauf die Zurückhaltung. Neben der Finanzierbarkeit sei auch der Fachkräftemangel nach wie vor ein Problem für den Betrieb eines weiteren Standorts. Um dem steigenden Bedarf gerecht werden zu können, will die Stadt laut Teucherns Bürgermeister Marcel Schneider (parteilos) jetzt Fördermittel für eine Machbarkeitsstudie beantragen. Diese soll unter anderem den Kapital- und Platzbedarf für die Umsetzung einer weiteren Pflegeeinrichtung ermitteln. Denn als Stadt sei man zwar froh, dass man seit 20 Jahren mit dem Sankt-Georg-Pflegeheim über eine sehr gute Betreuungseinrichtung verfügt, so Schneider. „Doch unser Ziel ist es, dass das Angebot an Pflegeplätzen in Teuchern noch ausgebaut wird.“

Quelle Mitteldeutsche Zeitung vom 01.10.2025_Ausgabe Burgenlandkreis