Diakonie Naumburg-Zeitz

Senior begrüßt die Schwester

Diakonie-Sozialstation Naumburg-Zeitz sorgt sich um Patienten-Standort in Kayna

72 Mitarbeiter der Diakonie-Sozialstation Naumburg-Zeitz sind im Burgenlandkreis zwecks häuslicher Alten- und Krankenpflege unterwegs. Zu den acht Standorten gehören unter anderem Kayna und Teuchern. Die MZ begleitete eine Schwester auf ihrer täglichen Tour.

von unserem Mitarbeiter Klaus-Dieter Kunick

Kayna/MZ. „Na, Herr Winkler, da wollen wir mal gucken, was der Zucker so macht.“ Schwester Gudrun sagt das so liebevoll zu Raimund Winkler, dass der sich mächtig darüber freut. Viermal am Tag bekommt der 88-jährige aus Geußnitz eine Insulin-Spritze. „Was sein muss, das muss ein“, antwortet der Senior freundlich.

Von den Familienangehörigen wird der Vater unter anderem gebadet und er erhält auch sonst die notwendige Aufmerksamkeit, sagt sein Sohn. Aber viermal am Tag könne niemand von der Familie präsent sein, um das Spritzen vorzunehmen. Daher sei man auf die Hilfe der Diakonie angewiesen. Nach dem die Schwester ihre Aufgabe erledigt hat, nimmt sie Raimund Winkler freudestrahlend in den Arm. Viel Zeit bleibt nicht. In ihrem kleinen Flitzer ist die Schwester schnell in Kayna bei einer älteren Frau. Irgendwo neben dem Hauseingang steht das Essen einer Menüküche bereit, sie nimmt dieses mit ins Haus, wärmt das Essen auf und stellt es auf den Tisch. Wieder im Auto angelangt, erzählt sie vom täglichen Ablauf, der straff organisiert ist. Dennoch versucht sie flexibel zu reagieren. „Hundertprozentig schaue ich nicht auf die Uhr“, berichtet sie. Mal dauere es hier ein bisschen länger, manchmal da. Es gleiche sich aus.

Für Schwester Gudrun Helbing, eine gelernte Krankenschwester, beginnt der Frühdienst um 6 Uhr und dauert bis 10.30 Uhr. Das ist die erste Runde, die über Geußnitz, Wildenborn, Kayna, Lobas, Zettweil, Nißma und Spora führt. Ist diese Tour beendet, beginnt die zweite Runde in der gleichen Reihenfolge. Ihre 17 Patienten sieht sie so am Tag zweimal. Gegen Mittag ist Schluss, für die anderen Kollegen folgt die Spätschicht. Seit 1991 ist Frau Helbing bei der Diakonie in Naumburg-Zeitz, die weitere Standorte in Teuchern und in Kayna hat sowie noch fünf im restlichen Burgenlandkreis über Naumburgdarüber hinaus.

„Ich bin eine von 72 Mitarbeitern der Diakonie Naumburg-Zeitz“, plaudert sie während der Fahrt zum nächsten Betreuungsort in Nißma. Hier muss eine ältere bettlägerige Frau gewindelt werden, die Diakonie-Mitarbeiterin bereitet das Essen zu und reicht es ihr ans Bett. Erledigt.

Wieder ins Auto steigen, zurück nach Kayna. „Mein Auto kennt den Weg schon von ganz allein“ spricht sie und schmunzelt. Gut 70 Kilometer kommen am Tag zusammen, die sie zurücklegt. In Kayna angelangt, schaut sie kurz in ihrem Dienstzimmer vorbei, begrüßt zwei Kolleginnen, schnappt sich etwas Schriftliches und düst zum PKW zurück. Weiter geht´s zum nächsten Einsatzort. „Man muss sich auf jeden Patienten immer wieder einstellen. Routine ist gefährlich“, erklärt die 51-jährige, die in Kayna als Teamkoordinatorin tätig ist. In Spora habe sie beispielsweise einen schweren Pflegefall. Es geht um eine Frau, die sich nicht bewegen kann, die gewindelt und gefüttert werden muss. Außer Babybrei esse die Frau nichts anderes. Um gar nicht erst Routine aufkommen zu lassen, wird die Tour von Zeit zu Zeit personell gewechselt.

Es ist gegen 13 Uhr, Dienstschluss für Schwester Gudrun, die zwei erwachsene Kinder hat. Ihren Job mache sie gern, auch wenn es mitunter stressig ist. Den Ausgleich findet sie in der Gartenarbeit. „Und dann freue ich mich über meinen Enkel“, sagt sie lächelnd. Der sei fünf Monate alt und allerliebst. Ihn sieht sie täglich, denn er wohnt im gleichen Haus. Einen schöneren Ausgleich gebe es nicht.

Dass eshier um eine liebevolle Betreuung geht, ist deutlich zu sehen – Raimund Winkler freut sich mächtig darüber. Viermal am Tag bekommt der 88-jährige aus Geußnitz eine Insulin-Spritze. 17 Patienten betreut Schwester Helbing an diesem Tag.



Quelle: Mitteldeutsche Zeitung/Zeitzer Land, Dienstag, 06. Mai 2008, Seite 9