
Eine Chance erhalten und sie gut genutzt
Arbeitsagentur-Initiative: Ausbildung von Fachkräften
Sonderprogramm ermöglicht Berufsabschluss und nahtlose Arbeitsaufnahme.
Wenn man aktuelle Prognosen betrachtet, dann fehlen in 15 Jahren deutschlandweit 6,5 Millionen Arbeitskräfte. Der Wert der guten Fachkraft wächst stetig.
„Umso wichtiger ist es, bereits jetzt einem drohenden Fachkräfteengpass vorzubeugen und in die Bildung bisher Ungelernter zu investieren“, findet Dr. Cert Kuhnert, Vorsitzender der Ceschäftsführung der Merseburger Arbeitsagentur.
Seit 2010 investiert die Agentur für Arbeit im Rahmen der lnitiative zur Flankierung des Strukturwandels - kurz „lFlaS“ genannt - in die Heranbildung von qualifiziertem Personal. Von dieser lnitiative profitieren können Personen, die arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind und entweder keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen können oder aber als „Wiederungelernte“ gelten. „Das ist der Fall, wenn jemand mehr als vier Jahre nicht in seinem ursprüngIich erlernten Beruf, sondern stattdessen in an- oder ungelernter Arbeit tätig war und deshalb die frühere Beschäftigung nicht mehr ausüben kann“, weiß Ulrike Siebert, Arbeitsvermittlerin in Naumburg, zu berichten.
„lm Agenturbezirk Merseburg gab es im letzten Jahr rund 3.000 Personen, die arbeitslos und ohne Berufsabschluss waren. Davon gehörten fast 500 Frauen und Männer zum Rechtskreis SCB lll“, ergänzt lnes Stöbe, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Merseburg. Mit der Unterstützung der lnitiative begannen 113 Personen im Jahr 2010 eine Qualifizierung beispielsweise zu Chemiearbeitern, in sozialpflegerischen Berufen aber auch für den Bereich Lager/Logistik.
Eine von ihnen war Katja Hellwig. Sie war über viele Jahre saisonal im Weinbau beschäftigt und hatte den Wunsch, dem stetigen Auf und Ab von Arbeit und Arbeitslosigkeit ein Ende zu setzen. Voraussetzung: ein Neuanfang in beruflicher Hinsicht. Auf Crund ihres beruflichen Werdeganges zähIte Katja Hellwig zu den Wiederungelernten. Von der Arbeitsvermittlerin Ulrike Siebert angesprochen „schnupperte“ Frau Hellwig für rund 14 Tage in einer Pflegeeinrichtung, um den Beruf der Altenpflegehelferin kennen zu lernen. lhr Fazit danach: „Diese Tätigkeit kann ich mir gut vorstellen.“
Vom 1. März 2010 bis Ende Februar 2011 dauerte die Umschulung. Neben Kontakten mit den Patienten im Pflegeheim galt es für Katja Hellwig, sich mit Deutsch, Sport, Rechtsgrundlagen und medizinischen Dingen auseinander zu setzen. Die Prüfungen legte sie mit Bravour ab und gehört jetzt zu den 80 Mitarbeiterinnen, die bei der Diakonie Naumburg-Zeitz gGmbH ein AnstelIungsverhältnis haben. Mit ihrem Dienstauto ist sie bei Patienten in der Finneregion unterwegs. „Uns war schnell klar, die passt zu uns“, erinnert sich die Pflegedienstleiterin Ulrike Enge. Alle Beteiligten sind sich einig. Die Qualifizierung war notwendig und ausschlaggebend für den Eingliederungserfolg. Eine vorhandene Lücke auf dem Arbeitsmarkt konnte geschlossen werden. Gerade in der Pflege gibt es auch in den nächsten Jahren einen stetig wachsenden Fachkräftebedarf.
Quelle: Wochenspiegel Naumburg, April 2011

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