Diakonie Naumburg-Zeitz

Anikos Weg zurück ins Leben

Aniko Pipsch und Berater der Diakonie

Aniko Ripsch ist wirklich angekommen, in einem glücklichen und zufriedenen Leben. Obwohl sie als Jugendliche ständig auf der Flucht war, auf einer Flucht vor Gewalt, sexuellem Missbrauch und den Alkoholexzessen ihres Vaters, die sie jedoch in die Drogenabhängigkeit führte. Mit 14 Jahren trank sie Alkohol, der erste Joint folgte. Zwei Jahre später konsumierte sie Ecstasy, Speed, Crystal - „alles, was es so im Bereich der chemischen Drogen gab“, erzählt die heute 25-Jährige. Die nächste, meist letzte Stufe bildete schließlich das Heroin.

Ihre Geschichte - die düstere Vergangenheit und die heute positive Gegenwart und vor allem den Weg dahin - schilderte die Naumburgerin jetzt vor der Kamera. Ein dreiköpfiges Drehteam der MDRSendung „Hier ab vier“ war jüngst zu Gast in der Domstadt. Eine Beitragsreihe, die in der kommenden Woche ausgestrahlt wird, widmet sich der Sucht in den verschiedensten Formen. „Wir wollen Geschichten erzählen und vor allem berichten, welche Hilfe es gibt“, sagt Redaktionsleiter Lutz Stordel. Hilfe bedeutet für Aniko Ripsch die Diakonie Naumburg-Zeitz mit einem ganzen Team aus Mitarbeitern der unterschiedlichen Bereiche. Suchtberaterin Monika Magnus, Schuldnerberaterin Beatrix Kuhn und Betreuer Johannes Schulz standen seit dem ersten Kontakt im Mai 2007 und stehen noch heute hinter der jungen Frau. In dieser Zeit durchlebt Aniko Ripsch das Polamidon-Programm, die Entgiftung, eine anschließende Therapie, die sie auch nach Hessen und nach Bayern führte. „Doch ich wollte zurück nach Naumburg“, bemerkt sie. Heute wohnt sie allein mit ihren Söhnen Lorenzo (8) und Jeremy Noel (1). „Sie sind mein Leben“, sagt die Klientin der Diakonie mit einem strahlenden Lächeln. Derzeit nimmt sie an einer Beschäftigungsmaßnahme im Bereich Hotel und Hauswirtschaft teil. Ein Praktikum soll sich bald anschließen. Zudem will sie sich einer Psychologin anvertrauen, um ihre Vergangenheit zu bewältigen. Aniko Ripsch nennt sich selbstbewusst. Die Angst zu telefonieren oder vor Behördengängen hat sie abgelegt. Denn gerade die Furcht, aufgrund ihrer Erlebnisse ihre Kinder zu verlieren, verfolgte sie in der Vergangenheit beharrlich.

„Sie hat es allein geschafft, das Laufen und die Treppe hochzugehen. Wir haben ihr dabei nurgeholfen“, betont Monika Magnus und verweist neben dem hausinternen Netzwerk zudem auf die gute Zusammenarbeit mit Ämtern und Einrichtungen. Dass Aniko Ripsch ihren Weg nun in der Öffentlichkeit schildert, hat vor allem einen Grund: „Ich wollte andere an meinem Leben teilhaben lassen und zeigen, dass es Hilfe gibt. Man muss allerdings immer den Willen haben.“
Quelle: Naumburger Tageblatt, Januar 2010