13.04.2016

Strategie gegen Schuldenberg

Wartelisten in Schuldnerberatung

 

Die bunte Box mit den Taschentüchern steht im Büro-Regal und ist stets in Reichweite. „Wir sind Berater, Coach und Seelentröster“, sagt Karin Meyenberg. Gemeinsam mit Sozialarbeiterin Beatrix Kuhn ist die 37-jährige Rechtsfachwirtin in der Schuldner- und Insolvenzberatung der Diakonie Naumburg-Zeitz tätig.

Zu ihnen kommen Männer und Frauen mit Geldnöten - aus allen Gesellschaftsschichten und aus unterschiedlichen Altersbereichen: Obdachlose und Auszubildende genauso wie der lebenserfahrene ehemalige Firmenchef. „Das erste Gespräch nutzen wir, um Schwellenängste ab- und Vertrauen aufzubauen. Wir schauen uns das Problem an und stellen Regeln auf. Jeder Fall wird vertraulich behandelt“, erzählt Karin Meyenberg. Erstgespräche mit rund 20 Klienten stehen im Monat an. In den vergangenen Wochen gab es einen Ansturm und eine Warteliste. Doch ein großer Teil der Klienten sagte ab oder erschien erst nicht. Um die Beratung bürgerfreundlicher zu gestalten und Termin-Ausfälle zu vermeiden, bietet die Diakonie eine offene Sprechzeit an.

Die Gründe, warum Geldnöte entstehen, sind vielgestaltig. Krankheit, Arbeitslosigkeit, hohe Kreditschulden und der sorgenlose Umgang mit den finanziellen Ressourcen zählen ebenso dazu wie verschiedene Süchte infolge eines ausufernden Drogen- und Alkoholkonsums. Auch unter Kaufrausch leidet der eine oder andere Klient. „Eine enge Zusammenarbeit mit unseren Kollegen der Suchtberatung und des Ambulant-Betreuten Wohnens sowie den Mitarbeitern der Arbeiterwohlfahrt in den Bereichen Erziehungs- sowie Schwangerenkonfliktberatung spielt deshalb eine wesentliche Rolle“, unterstreicht Beatrix Kuhn. Genauso wie Disziplin und Ehrlichkeit, um das Problem zu lösen. „Die Klienten müssen schon viel aushalten. Wir machen eine Bestandsaufnahme, entwickeln eine klare Strategie und einen Haushaltsplan, um den Schuldenberg abzutragen“, sagt Karin Meyenberg. Der kann mal größer, mal kleiner sein, nur einige Hundert Euro oder mehrere Hunderttausend Euro betragen. Im Hintergrund sind auch mögliche Gläubiger oder Bürgen zu beachten. Der Härtefall ist schließlich das Insolvenzverfahren, „kein Spaziergang für den Betroffenen“, sagt die Diakonie-Mitarbeiterin.

Wenn die Taschentücher-Box die Schattenseite zeigt, beweisen Karten und kleine Geschenke im Büro von Karin Meyenberg das gute Ende und vor allem auch die Dankbarkeit von zufriedenen Klienten, die dabei oft ihre eigene Bedeutung bescheiden unterschätzen. „Sie müssen ihr Problem selbst bewältigen. Wir geben nur den Anschub“, betont die 37-Jährige.

Die Diakonie-Beratungsstelle ist erreichbar: 03445/2 33 71 30

Text: Constanze Matthes, Naumburger Tageblatt
Bild: Torsten Biel, Naumburger Tageblatt

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